Profis! Gabba Dings... Part 2
Die "Weltuntergangs Punk Ära" endete schon nach knapp drei Jahren als Beruf, Studium oder Bundeswehr bei uns vier ihren Tribut forderten. Da war ich 21 und das Thema "Selber Lärm machen" alsbald vergessen.
Mehr als 30 Jahre später war ich in einem völlig neuen Leben angekommen. Mit großer, neuer Liebe versehen, in einer anderen Stadt im besten Wortsinn daheim und nach langer Krankheit viel zu früh in Pension abgeschoben, weil der Arbeitgeber angeblich zu viele Menschen beschäftigte.
Da fiel mir die Gitarre wieder ein und daraus entsprang der Wunsch es diesmal ein wenig ernsthafter anzugehen. Ich besuchte eine Rockschule und ein gleichermaßen wunderbarer Gitarrero wie Mensch gab sich redlich Mühe mit seinen Schützlingen. Ich strengte mich an, es wurde besser, aber ehrlicherweise musste ich mir eingestehen, dass ich es wohl nicht allzu weit bringen würde mit der Kunst. Jedoch...
Wenn man in die Rockschule geht, dann lernt man Menschen kennen. Der A. war einer davon. Seit vielen Jahren Drummer in einer Band, auch vom Keyboard verstand er was und nun hatte er (als Naturtalent) auch schnell Fertigkeiten an der Gitarre entwickelt. Er wollte eine "Zweitcombo" erschaffen und fragte mich, ob ich als Gitarrist dabei wäre. Mit "Hocherfreutheit" und Selbstzweifeln war ich an Bord. Über ein paar Ecken kannte er einen "Basser" (ebenfalls mit Banderfahrung und passabler Stimme) und der hatte praktischerweise auf seinem riesigen Grundstück eine Hütte stehen, die gedämmt und beheizt war. Ein Traum. Allerdings weit draußen in der südoldenburgischen Pampa. Dazu gesellte sich ein weiterer M. als Drummer, der jedoch bis dato nur im heimischen Keller so vor sich hin geschlagzeugt hatte. Aber nicht schlecht! So erklang nach einiger Zeit etwa "You Shook Me All Night Long" von AC/DC in nicht unterirdischer Qualität. Leider war der Spaß nur von kurzer Dauer. Der Schlagzeug M. wurde so oft bekifft beim Autofahren erwischt, dass er den Führerschein los war und in der Pampa nicht mehr vorwärts kam. Der A. beschloss, sich nun doch wieder ausschließlich für seine "Hauptband" zu engagieren, mit dem "Basser" traf ich mich noch gelegentlich um ein wenig zu jammen.
Ich ging immerhin weiter brav zur Rockschule, die ich allerdings auch nur mit dem Automobil erreichen konnte. Das stellte sich als Nachteil heraus, denn im zarten Alter von 54 Jahren wurde ich über Nacht zum Epileptiker. Anfälle nur im Schlaf und kryptogener Ursache. Mit dieser Diagnose durfte ich sechs Monate nicht mit dem Auto fahren, also keine Rockschule. Seelisch war das auch nicht toll... Dann wurde klar, die Tabletten helfen, keine Anfälle mehr, ich darf wieder fahren. Zu der Zeit hat es das Schicksal aber nicht gut gemeint mit mir...
Vier Augen-OP's später hatte ich mehr vergessen als gelernt. Jeweils Netzhautablösung, jeweils Gasbetankung im Auge und solange nicht wieder klare Sicht herrschte (jeweils ca. 8 Wochen), gab es keinen Mayer hinterm Steuer.
So ein gutes Jahr machte ich dann noch weiter in der Rockschule. Dann kam Corona und das war das Ende des Präsenzunterrichts. Mit Gitarrestunden per Videokonferenz konnte ich nichts anfangen.
Inzwischen wohnen wir in Bayern und die Rockschule gibt es nicht mehr. Gitarren und Verstärker stehen im Keller, gelegentlich zupfe ich recht uninspiriert herum und ich denke dieses Kapitel ist abgeschlossen. Aber ich hab' ja eh nie wirklich Gitarre gespielt.
Erinnerungen
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mayersnotizblog am 03.11.26
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