Freitag, 15. Mai 2026
Observationen
Nein, um Geheimdienstoperationen, komische Detektive oder Massenüberwachung wie Palantir geht es hier nicht.

Die Natur zu beobachten ist etwas viel Schöneres und eine Organisation wie observation.org verbindet das Angenehme mit dem Nützlichen auf eine sehr praktische Weise. Wer gerne einmal in der Natur fotografiert, hat vielleicht auch Lust das ein oder andere Foto auf diese Plattform hochzuladen, oder nutzt gleich eine passende App auf dem Smartphone. Man hat zwei verschiedene Apps zur Auswahl, eine für "Otto Normalverbraucher" und eine für Menschen mit weiter fortgeschrittenem Sachverstand.

Konkret schreibt Observation Org zu ihrem Daseinszweck: "Förderung der Naturforschung und des Naturschutzes durch das Sammeln, Verbessern und Teilen von Biodiversitätsdaten mittels einer Gemeinschaft von Beobachtern und Gutachtern." Weiter heißt es unter der Überschrift Daten und Gemeinschaft: " Unser primärer Datensatz umfasst mehr als 250 Millionen Beobachtungen und wächst jährlich um 35 Millionen Beobachtungen, beigetragen von über 450.000 Nutzern. Die Datenqualität wird durch über 1.000 Artenspezialisten gesichert, die mit intelligenter Technologie und künstlicher Intelligenz arbeiten."

Im Rahmen einer Veranstaltung bei einem Verein hat jemand über seinen Beitrag und seine Erfahrungen auf der Plattform ein wenig berichtet und das war insofern interessant, weil der Mann sich ein konkretes Gebiet in der Nähe seines Wohnortes ausgesucht hat, das er nun regelmäßig besucht und dort fotografiert. Er ist auf der Suche nach Tag- und Nachtfaltern, sowie nach Pilzen. Er war höchst erstaunt zu lernen was er dort im Lauf der Zeit entdeckt hat ohne Spezialist zu sein. Nur mit der Methode „einfach nach Verdacht knipsen“. Mittlerweile begeht er das Gebiet jedes Jahr mehrere Mal, weil er so auch mithelfen kann zu dokumentieren, ob manche Arten häufiger bzw. seltener werden, oder ganz neue Arten hinzukommen.

Mich hat der Vortrag und das nachfolgende Studium der Website dazu inspiriert einen Account anzulegen. Mit dem fotografieren bin ich noch nicht weit gekommen, aber immerhin ein Foto habe ich hochgeladen und die Software plus KI auf der Plattform haben zu 100 % erkannt, dass es sich um einen Wiesen-Fuchsschwanz handelt und selbiger in dieser Gegend noch „relativ häufig“ zu finden ist. Der Text „Allgemein“ an dieser Stelle würde bedeuten, dass eine Art am jeweiligen Standort in vollkommen normalem Umfang vorhanden ist.


Mittwoch, 6. Mai 2026
Ein inspirierender Abend...
war das, gestern in Augsburg, Kongress am Park.
Zur Aufführung kamen zwei Sinfonien:
Ludwig van Beethoven (1770 – 1827): Sinfonie Nr. 6 F-Dur op. 68 »Pastorale«
und
Wolf Kerschek (*1969): »orbis aquarum – Eine neue Wassermusik« URAUFFÜHRUNG

Thematisch zusammenpassend, musikalisch schwarz/weiß, alles andere wäre auch ein Wunder gewesen bei dem zeitlichen Abstand der Entstehung beider Werke. Die Sinfonie Nr. 6 von Beethofen habe ich schon ein paar Mal gehört in meinem Leben, aber auch noch nie live erlebt. Das Klangerlebnis im Saal des Kongresszentrums war überraschend gut, um nicht zu sagen hervorragend. Insoweit habe ich auch das bekannte Werk ganz neu gehört. Die Sinfonie von Wolf Kerschek hingegen hat mich schier umgehauen. Klassischer Aufbau, Umsetzung mit ganz großem Orchester incl. verschiedene Percussion, Harfe, Orgel, und zwei jungen Künstlern mit einer offensichtlich besonderen Querflöte (?) und einem Schlaginstrument, das ich noch nie zuvor gesehen hatte. Fazit in meiner Gefühlswelt: Wasser kann man nie ganz bändigen. Thema getroffen! Schlicht großartig, so großartig, dass ich heute Nacht davon geträumt habe und das ist mir wirklich noch nie passiert.


Montag, 4. Mai 2026
Fotoblog
Meine Aktivitäten auf dem Wordpressblog Momente & Notizen waren eher überschaubar. Bevor das Teil nur vor sich hinrostet, habe ich es schlicht und ergreifend zu einem Fotoblog umgerüstet. Konsequenterweise sind dort ab jetzt auch die "TSAM" Fotos zu finden.


Freitag, 1. Mai 2026
Opa
Mein Opa mütterlicherseits ist gemeint. Jahrgang 1893, aufgewachsen im deutsch / österreichischen Niemandsland entlang des Inns, nicht besonders weit von Passau entfernt. Wo genau, das ließ sich bereits um 1970 herum nicht mehr feststellen. Das war das erste Mal, dass Opa sein Zuhause aus der Kindheit noch einmal sehen wollte. Meine Eltern packten ihn und Oma ins Auto und wir begaben uns auf die Suche. Es war dort außer Wiesen nichts zu finden und traurig war er darüber nicht.

Jedenfalls war es früher ein Sägewerk auf der österreichischen Seite in „Alleinlage“. Er hatte neun Geschwister, Armut und schlechte Behandlung inklusive. Viele Worte darüber hat er nie verloren. Deshalb lies sich später, als sich ein entfernter Verwandter inbrünstig dem Thema Ahnenforschung zu widmen begann, nicht mehr genau feststellen, wie er etwa um 1904 zu einer Pflegefamilie nach Passau gekommen war. Möglicherweise war er sogar adoptiert worden, das würde erklären warum er 1914 einen deutschen Pass hatte.

Wie auch immer, zunächst machte er sich um das Jahr 1908 auf den Weg nach München und absolvierte eine Lehre als Schneider, ein Beruf der ihm quasi auf den Leib geschneidert war. Die glücklichen Jahre waren 1914 schon wieder zu Ende, der 1. Weltkrieg brach aus und er war von Anfang an dabei. Zunächst war er als Infanterist an der Westfront, später gehörte er zu den Soldaten, die erbeutete Panzer fuhren. Ein Stück der weiteren Geschichte fehlt und es geht erst damit weiter, dass er mit Typhus und Cholera im Lazarett lag. Er lag so regungslos auf seiner Pritsche, dass ihn die Sanitäter für tot hielten und ihn auf den Wagen mit den Leichen warfen. Das war an einem Tag, an dem die deutschen Truppen auf dem Rückzug waren, es war viel Rummel und das weckte ihn wohl auf. Trotz seines Zustandes schaffte er es einen Arm zu heben und das wurde tatsächlich bemerkt. Man zog ihn also vom Leichenwagen wieder herunter und er war im „Seuchentross“ auf dem Rückzug mit dabei. Im Lazarett lag er noch über das Kriegsende hinaus und bei seiner Entlassung sagten ihm die Ärzte, dass sein Darm von diesen Krankheiten vollkommen zerstört sei, er seine Tage genießen solle und sein Leben wohl bald enden würde.

Ich nehme das vorweg, Opa ist 1992 im Alter von 99 Jahren verstorben.

Den Rat der Ärzte, sein Leben zu genießen, hat mein Opa jedenfalls befolgt. Zurück in München hat er seine Franziska kennengelernt und eine Arbeit bei einem Schneidermeister gefunden, der für eine betuchtere Klientel Reitbekleidung anfertigte. Die beiden hatten ein Auskommen, eine große Liebe und viel Spaß. Freitag und Samstag war Party angesagt, der Heimweg wurde erst am frühen Morgen angetreten und nicht ohne unterwegs bei einer Backstube vorbeizuschauen, in welcher ein befreundeter Bäckergeselle seine Arbeit verrichtete und durch einen Fensterschacht ein paar warme Brezen ausgab. Der Mensch braucht Rituale! Ende 1922 wurde meine Ma geboren, der Party tat das keinen Abbruch, die wurde am Wochenende bei Freunden oder Verwandten untergebracht. Geheiratet haben die Beiden erst 1926, ein Kind „lediger“ Eltern war zu der Zeit kein Problem. Die Spießigkeit kam erst mit der Weltwirtschaftskrise und den Nazis zurück.

Auch der Krieg holte ihn wieder ein, er wurde als Luftwaffenhelfer eingesetzt, Das Mietshaus mit ihrer Wohnung in Haidhausen wurde Anfang 1945 durch eine Fliegerbombe schwer beschädigt, Opa war nicht zuhause, meine Oma inzwischen längst bei Verwandten in Niederbayern untergekommen (Dort war auch meine Mutter zu dieser Zeit). Anfang 1945 kam dort auch meine Tante zur Welt, zwei Tage vor dem 44. Geburtstag meiner Oma. Beide Großeltern und die neugeborene Tante haben den 2. Weltkrieg ohne körperliche Schäden überstanden. Ebenso wie meine Mutter, die aus dieser Zeit allerdings bis zu ihrem Tod eine extreme Angststörung zurückbehalten hat.

Das Mietshaus mit der Wohnung meiner Großeltern wurde wieder aufgebaut, irgendeinen Luxus suchte man dort jedoch vergeblich. Ein Badezimmer gab es nicht (dafür das Müllersche Volksbad), geheizt wurde mit Ölofen, Warmwasser gab’s in der Küche aus dem elektrischen Boiler.

Opas Arbeit in der Schneiderei ging weiter, das Leben verlief in geraden Bahnen, aber die Spuren der beiden Weltkriege blieben sichtbar. Die beiden sind nie in Urlaub gefahren, sie haben grundsätzlich niemals eine Nacht auswärts verbracht, ganz egal was war. Ausgenommen Krankenhausaufenthalte… Sie besaßen nie ein Auto, weil sie ja mitten in der Stadt wohnten und auch nirgends hinwollten. Zudem waren sie leidenschaftliche Fußgänger. Gelegentlich sind sie bei meinen Eltern oder bei Onkel und Tante mitgefahren, raus ins Grüne zum spazieren gehen oder ins Kaffeehaus. Das war’s, zum Abendessen war man daheim.

Mein Opa hat sich nur wenig gegönnt. Das waren gute Zigarren und schöne Kleidung, was für einen Schneider auch nicht ungewöhnlich ist. Meine Oma wurde verwöhnt, soweit das finanziell möglich war. Die beiden gingen gerne in gute Kaffeehäuser oder mittags auch einmal ins Restaurant. Ich fand es als Kind schon beeindruckend wie liebevoll die beiden miteinander umgegangen sind. So wurde Opa beispielsweise durchgecheckt wie bei der Kontrolle in einem Flughafen sobald er die Wohnung verließ. Ist die Lesebrille dabei, Feuerzeug, Zigarren, Taschentuch, Geldbörse? Sitzt der Krawattenknoten richtig? Wäre alles nicht nötig gewesen, war aber unverzichtbares Ritual.

Wie jeder andere Mensch hatte auch Opa Schwächen, bei ihm war es der Jähzorn. Dann waren immer fünf ganz andere Minuten angebrochen, die Freundlichkeit war weg. Er schimpfte und fluchte, gestikulierte wild mit den Armen, eine Schweigeminute schloss sich an, die dann zurück in die gewohnte Freundlichkeit führte. Körperliche Gewalt gab es nie.

Opa ist nicht etwa mit 65 in Rente gegangen, dazu hat er seinen Beruf viel zu sehr geliebt. Er hat die zwei Tage Woche für sich eingeführt und noch sieben oder acht Jahre weitergearbeitet. Ich kann mich sogar noch erinnern, dass ich als kleiner Junge ein paar Mal zusammen mit meiner Mutter bei ihm in der Arbeit war.

Der Tod meiner Oma im Jahr 1974 war ein großer Einschnitt in seinem Leben. Sie hatte Magenkrebs und ist nach der Diagnose und einer Operation recht rasch an der Krankheit verstorben. Seine Trauer, seine Tränen werde ich nicht vergessen. Aber wie er letztlich damit umgegangen ist, das war beeindruckend. Er hat genau das gemacht, was die zwei auch zusammen gemacht hätten. Das ist ihm zunächst sehr schwer gefallen, sich dazu aufzuraffen, aber es war genau das Richtige. Er ist auch bis zu seinem 95. Lebensjahr in der Wohnung geblieben, nach einem leichten Schlaganfall war das dann nicht mehr möglich und er zog in ein Altersheim.

An seinem 99. Geburtstag hat er dann wohl beschlossen, dass es nun genug sei mit diesem Leben. Er ging abends ins Bett, hat sich zur Wand gedreht, nichts mehr gegessen, nicht mehr gesprochen und ist genau eine Woche später friedlich eingeschlafen.

Ein besonderer Mensch, zumindest für mich. Ich denke oft an ihn.


Donnerstag, 30. April 2026
Fast Pizza
Heute gibt's ein Rezept vom Mayer, nein, von der Mayerin. Leckerster Pizzaersatz ever! Man nehme:
Ein Fladenbrot vom türkischen Bäcker und darauf kommt in dieser Reihenfolge:
Creme fraiche mit Kräutern
Italienische Flaschentomaten in Scheiben geschnitten
Reichlich Basilikum
Mozzarella in Scheiben geschnitten
Ab in den Backofen für 15 Minuten bei 200 Grad.
Mohltied!, wie der Altbayer zu sagen pflegt.