So ein Theater!
Ich sitze mit 699 Menschen auf einer Tribüne auf dem Marktplatz von Steingaden. Vor mir ein wunderbares Ensemble alter Gebäude, wunderschön renoviert, im Hintergrund die Pfarrkirche St. Johannes Baptist, ebenso bekannt als Kloster Steingaden oder Welfenmünster. Auf dem Dach der Kirche ein bewohntes Storchennest und ein warmer Sommerabend unter einem makellos blauen Himmel bilden die optische "Grundausstattung" für das Theaterstück.
Nach einer kurzen Ansprache des Bürgermeisters und nachdem ein als Stadtschreiber trefflich verkleideter Darsteller die notwendigen technischen Informationen aus einer Schriftrolle verkündet hatte, nahm das Geschehen seinen Lauf.
Beginnend mit der Säkularisation des Prämonstratenserklosters im Jahre 1803 spannte sich der Erzählbogen des Stücks zurück bis ins Jahr 1147. Nachdem Herzog Welf der VI soeben von kriegerischen Auseinandersetzungen nach Hause zurückgekehrt war, feierte er ein großes Fest, das allerdings kein schönes Ende nahm. Man erwartete von ihm, dass er sich an einem Kreuzzug ins heilige Land beteiligte. Nach langem Zögern willigte er ein. Für das Seelenheil stiftete er das Kloster bevor er zum Kreuzzug aufbrach.
Die Geschichte mit all ihren Irrungen und Wirrungen wird vom gemeinnützigen Theaterverein Steingaden auf die Bühne gebracht und das Ganze lebt bei weitem nicht nur von der wundervollen Szenerie, sondern von mehr als 300 Darstellern, etwa 20 Pferden, einer Kutsche einem Heuwagen, schöner Beleuchtung und einer Nebelmaschine. Dazu eine 20köpfige Musikkapelle und ein Chor. Es war schlicht grandios. Erschwerend kam hinzu, dass in der Dunkelheit die Glühwürmchen tanzten und kurz vor Ende des Stücks ein nur geringfügig angeknabberter Vollmond die Szenerie beleuchtete. Mehr geht nicht.
Fertiggestellt wurde das Kloster übrigens 1176 und Welf VI wurde dort auch beigesetzt.
Tagebuch
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mayersnotizblog am 31.07.26
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